Interfraktionelle Motion GFL/EVP (Daniela Lutz), SP (Patrizia Mordini) und GB (Stéphanie Penher)
Die Übernahme der Städte durch den Fuss- und Veloverkehr sowie durch den ÖV verlangen langfristig Anpassungen an die städtische Strasseninfrastruktur. Stadtentwicklungsprojekte müssen sich dem stellen. Die Zukunft in der Stadt und nicht mehr nur im Stadtzentrum gehört dem Langsamverkehr, sonst droht der Verkehrskollaps. Früher sprach man von Beschleunigung des Verkehrs, um den Kollaps zu verhindern. Heute weiss man durch Computersimulationen und aus der Beobachtung des Verkehrs, dass nur eine Entschleunigung die Flüssigkeit des gesamten Verkehrs sicherstellen kann. Verkehrsberuhigung ist ein entscheidendes Mittel, um eine höhere Sicherheit im Verkehr sowie eine bessere Lebens- und Wohnqualität für die Anwohnenden zu erreichen. Tempo 30 Zonen in Wohnquartieren sind bereits heute erklärter städtebaulicher Standard.
In der Begegnungszone -Tempo 20 Zone haben die Zu-Fuss-Gehenden grundsätzlich auf der gesamten Verkehrsfläche Vortritt. Das Parkieren ist ausser an signalisierten oder markierten Stellen verboten. Die Velos dürfen nach den allgemeinen Vorschriften über das Parkieren abgestellt werden. Mit der Umkehrung der Vortrittsverhältnisse zwischen dem Fuss- und Fahrverkehr sowie der Temposenkung auf 20 km/h wird die Sicherheit erhöht und die Strasse erheblich attraktiver. Dies vor allem, weil damit die Wohn- und Geschäftsnutzung gegenüber der Verkehrsfunktion stärker gewichtet und die Zugänglichkeit zu den Wohnungen und Geschäften erleichtert werden. (Für die Realisierung einer Begegnungszone ist ein einfaches Gutachten erforderlich.) Zurzeit wechseln bereits auf kurzen Strecken 30-Zonen mit Tempo 20 Zonen ab, wobei vielen Verkehrsteilnehmern die Vortrittsverhältnisse nicht immer klar sind. Nicht zuletzt der Schilderwald führt zu Unklarheiten.
Neben dem Bottom-up Prinzip, d.h. die Initiative kommt aus dem Quartier von den Bewohnerinnen und Bewohnern der Quartierstrassen, was wir immer noch sehr wichtig finden, möchte dieser Vorstoss also ein Pilotprojekt für eine Begegnungszone von Top-down anstossen. Dabei soll ein Quartier ausgewählt werden, wo bereits ein Netz aus Tempo 20-Strassen und –Strässchen besteht, welches ergänzt werden müsste.
Aus diesem Grund fordern wir den Gemeinderat auf:
1. ein zeitlich beschränktes Pilotprojekt durchzuführen, in welchem ein geeignetes Wohnquartier mit bereits ausgebautem Begegnungszonennetz ausserhalb des Basisnetzes durchgehend zu einer Begegnungszone mit Tempo 20 gemacht wird. Dem Informationsbedürfnis der Quartierbewohner ist dabei Rechnung zu tragen.
2. Dieses Pilotprojekt durch das Bundesamt für Strassen ASTRA begleiten und auswerten zu lassen.
3. Zur Einhaltung der Tempolimiten im entsprechenden Quartier vermehrt Geschwindigkeitskontrollen (z.B. auch durch festinstallierte oder flexible Tempomessgeräte) durchzuführen.
Bern, 2.2.2012
