Grünes Bündnis Stadt Bern

Wed 26.01.2005

Bildungsstrategie ohne Fleisch am Knochen

Das Grüne Bündnis erachtet die vom Erziehungsdirektor heute präsentierte Bildungsstrategie als unvollständig. Drängende Fragen zur Chancengleichheit , Selektion und Integration werden ungenügend aufgenommen. Gerade im Hinblick auf die Umsetzung des neuen Integrationsartikel im Volksschulgesetz ist dies von zusätzlicher Bedeutung.

Der Bildungsstrategie liegt leider keine Analyse zum Funktionieren unseres Bildungssystems zugrunde. Auch werden keine Bildungsziele formuliert, die erreicht werden sollen. Dies, obwohl Erkenntnisse aus Wissenschaft längst zum Handeln auffordern. Die neuesten PISA-Studien haben es einmal mehr deutlich gemacht: Eines der grossen Probleme des schweizerischen Bildungswesens besteht darin, dass es Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Verhältnissen gibt, die nicht genügend gut ausbildet sind. Viele von ihnen scheitern nicht an ihren Fähigkeiten, sondern werden zum Opfer des selektiven Schulsystems. Besonders stark trifft dies ausländische Kinder. Im Kanton Bern beispielsweise sind fast 30 % der RealschülerInnen aufgrund ihrer mathematischen Leistungen nicht von den Kindern am Gymnasium zu unterscheiden. Ihre Zukunftsperspektiven bezüglich des Zugang zu höherer Bildung sind aber höchst ungleich. Die Kantonsauswertung für Pisa zeigt deutlich, dass das Problem der falschen Selektion zunimmt. Im Hinblick auf die Umsetzung des Integrationsartikel sind diese Erkenntnisse einzubeziehen. Insbesondere ist es aber auch nötig, die Umsetzung einer integrativen Schule sorgfältig vorzubereiten und schrittweise vorzunehmen.

Das Grüne Bündnis kritisiert, dass die vorliegende Bildungsstrategie auf diese Fragen und Handlungsfelder zu wenig Bezug nimmt. Wir fordern den Regierungsrat auf, in seiner Bildungsstrategie Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen und Massnahmen vorzuschlagen. Eine Bildungsstrategie muss mehr sein als ein Katalog von Projekten. Das Grüne Bündnis wird dem Grossen Rat vorschlagen, an der Bildungsstrategie entsprechende Korrekturen vorzunehmen.

Corinne Schärer, gb.grossrätin

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