zur Medienkonferenz des Regierungsratspräsidenten zur Umsetzung von Standards in der Volksschule
BIVOS: Schulentwicklung JA – mehr Selektion durch die Hintertüre Nein
Das Grüne Bündnis lehnt neue Formen der Selektion durch die Hintertüre ganz klar ab. Es warnt davor, die anvisierten Bildungsstandards als Allerheilmittel für eine gute Schule zu betrachten oder sich davon bessere Übertrittsverfahren zu versprechen. Bildungsstandards werden zur Qualitätsentwicklung der Schule nur taugen, wenn den aufgrund von neuen Standards aufgedeckten Defiziten mit geeigneten Massnahmen begegnet wird. Eine der vordringlichsten Massnahmen wären kleinere Klassen.
Das Grüne Bündnis befürchtet eine Renaissance der selektiven Schule. Dieser Trend ignoriert eindeutig den mehrfach belegten Befund in der Bildungsforschung (z.B. Prof. Kroning, Universität Fribourg), dass Notengebung und Leistung nicht objektiv ist wie angenommen wird, sondern stark abhängig von sozialer Herkunft und Geschlecht. Zudem lehnt das Grüne Bündnis die einseitige Ausrichtung der Leistungstests auf „Kernfä-cher“ (Mathematik, und Deutsch bzw. mit HarmoS Mathematik, Sprachen und Naturwissenschaften ab). Damit werden musische und handwerkliche Fächer sowie der Turn- und Sportunterricht einmal mehr marginalisiert. Diese müssen in den Standards darum ebenfalls erfasst werden.
Während das Grüne Bündnis die Standards auf Ebene Schülerinnen und Schüler als weiteres Selektionskriterium ablehnt, befürwortet es aber das Vorhaben, mit Standards die Qualität der Schulen und des Bildungssystems zu evaluieren. Allerdings mit einem Vorbehalt: nur dann, wenn zwischen den Schulen kein Ranking stattfindet und einzelne Schulen nicht stigmatisiert werden. Evaluationen machen auch dann nur Sinn, wenn die speziellen Voraussetzungen einer Schule (z.B. soziale Zusammensetzung) in die Evaluation einfliessen. Bildungsstandards werden zur Qualitätsentwicklung der Schule aber nur taugen, wenn den aufgrund von neuen Standards aufgedeckten Defiziten mit geeigneten Massnahmen begegnet wird. Schwache Schulen müssen gezielt gefördert werden. Dies ist aber nur mit mehr finanziellen Mittel möglich – alles andere ist Augenwischerei.
Eine der vordringlichsten Massnahmen wären kleinere Klassen. Weiter fordert das Grüne Bündnis, entsprechende Stütz- und Fördermassnahmen, Beratung, Coaching sowie Module in der Grund- und Weiterbildung der LehrerInnenbildung zur Verfügung zu stellen. Denn das Aufdecken von Mängel macht nur Sinn, wenn zusätzlich investiert werden kann. Andernfalls sind Frustration und Protest von Seiten der Lehrkräfte, der Eltern und der SchülerInnen vorprogrammiert. In dieser Hinsicht ist BIVOS noch eine Black Box - Regierungsrat und Grosser Rat müssen hier Farbe bekennen. Denn davon hängt ab, ob das Projekt erfolgreich sein kann oder aber zum Scheitern verurteilt ist.
Monika Hächler, politische Sekretärin Grünes Bündnis
