Städtische Kulturförderung unter der Gleichstellungslupe
Postulat Grünes Bündnis / Junge Alternative (Natalie Imboden / Stefanie Arnold)
Eine spartenübergreifende Analyse der städtischen Kulturförderung hat gezeigt, dass bei der Kulturförderung die Gleichstellung in der Stadt Bern nicht realisiert ist.
Die Ergebnisse der Studie: "Kulturförderung unter der Gleichstellungslupe"(1); zeigen beunruhigende Resultate und werfen Fragen über die Gründe auf. Die Studie zeigt, dass Frauen seltener Unterstützungsgesuche stellen als es ihrem Anteil an den Kulturschaffenden entspricht. Dabei sind die von Frauen geforderten Beiträge im Durchschnitt kleiner als diejenige der Männer. Eine weitere Ungleichheit ist bei der Anzahl bewilligter Gesuche festzustellen: Frauen erhielten prozentual zu ihren Gesuchen seltener Beiträge zugesprochen als Männer. Bei der Vergabe von Förderpreisen in den Sparten Literatur und Bildende Kunst sowie bei Atelieraufenthalten in New York machen Frauen 25%, Männer 75% der Geförderten aus.
Die Hintergründe dieser ungleichen Förderungsresultate nach Geschlecht bleiben ungeklärt. Gibt es diskriminierende Kriterien? Sind die Fördermechanismen diskriminierend? Gibt es andere Gründe für diese ungleichen Resultate? Welches sind die Einflussmöglichkeiten der Vergabekommissionen für Veränderungen? Wo sind Ansatzpunkte für eine Veränderung?
Aus diesem Grund bitten wir den Gemeinderat um Prüfung folgender Punkte:
- Die städtischen Förderbeiträge und Preise werden regelmässig nach Geschlecht ausgewertet und gegenüber dem Stadtrat dokumentiert (z.B. im Jahresbericht, Anhang).
- Die Kriterien und Mechanismen der direkten Kulturförderung auf geschlechterdiskriminierende Schwachstellen werden analysiert und Gegenmassnahmen ergriffen. Dabei ist die Zusammenarbeit mit den Vergabekommissionen zu suchen.
- Künstlerinnen werden mit geeigneten Mittel (z.B. Information) zum Einreichen von Gesuchen motiviert.
- Auf kantonaler und nationaler Ebene (z.B. Bundesamt für Kultur BAK) zu intervenieren, dass die Förderpolitik einer vertieften Analyse unterzogen wird, und u.a. auch die sozio-ökonomischen Bedingungen von Künstlerinnen berücksichtigt werden.
(1) Kulturförderung unter der Gleichstellungslupe: Iris Frei, Judith Estermann, Thomas Beyeler Moser (Hrsg. Fachstelle Gleichstellung und Abteilung Kulturelles Stadt Bern), Bern April 2006.
29. Juni 2006
