Vidmar-Hallen / Stadttheater Bern: Finanzielle Nachhaltigkeit eines neuen kulturellen Agglomerationsprojekts?
Interpellation Natalie Imboden (Fraktion Grünes Bündnis / Junge Alternative)
Auf die Spielzeit 2007/2008 erhält das Stadttheater Bern in den Vidmar-Hallen im Liebefeld/Köniz eine zweite Spielstätte. Damit soll der Dreispartenbetrieb des Stadttheaters aufgewertet werden, insbesondere Schauspiel und Ballett. Im Vidmar-Areal kommt das Stadttheater zu rund 1900 Quadratmetern Fläche in einem sich entwickelnden urbanen Raum, der auch neue Publikumsschichten ansprechen soll.
Aufgrund eines günstigen Umbaus, u,a. Sponsoring der Eigentümerin Lista Holding (Übernahme der Haustechnik) gehen die Wirtschaftlichkeitsberechnungen des Stadttheaters davon aus, dass mit rund fünf Prozent höheren Einnahmen die Mehrkosten der 2. Spielstätte aufgefangen werden.
Gemäss dem neuen Kulturkonzept des Regierungsrats vom April 2006 ist eine Teilentflechtung der Aufgaben im Kulturbereich geplant, so dass künftig für die Finanzierung und strategische Steuerung des Stadttheaters (aber auch der Kunstmuseen und der Regionalbibliotheken) die Region Bern, bzw. die neuen Regionalkonferenzen gemäss Strategie für Agglomerationen und regionale Zusammenarbeit (SARZ) zuständig ist. Es stellt sich daher die Frage: Wird aus dem Stadttheater ein Agglomerationstheater?
Zudem zeigen die Erfahrungen rund um das Paul-Klee-Zentrum, dass die Kostentransparenz bezüglich Sponsoring im Zusammenhang mit der Verwendung öffentlicher Gelder von besonderer Bedeutung ist.
Der Gemeinderat wird daher um die Beantwortung folgender Frage gebeten:
1. Wie beurteilt der Gemeinderat die kulturpolitische Bedeutung der zweiten Spielstätte für die Stadt, bzw. die Agglomeration und den Kanton? (u.a. auch bezüglich Zielpublikum/Erreichbarkeit jüngerer Publikumskreise; Verhältnis zur übrigen städtischen Tanz- und Theaterszene, etc.)
2. Welches sind die finanziellen Auswirkungen der zweiten Spielstätte (u.a. Betriebskosten)? Kann diese 2. Spielstätte (auch langfristig) im bisherigen Budgetrahmen des Stadttheaters realisiert werden?
3. Welche finanziellen Auswirkungen hätte die Aufgabenentflechtung gemäss neuem kantonalem Kultur-Konzept bezüglich dem Stadttheater für die Stadt Bern? Und wie kann der Gemeinderat gewährleisten, dass sich die Aufgabenentflechtung und neuen Finanzierungsmechanismen nicht zu Lastern der durch die Stadt finanzierten „kleineren“ Kulturinstitutionen geht? Wie ist der finanzielle Beitrag von Standortgemeinden in der Agglomeration vorgesehen?
4. Welche Auswirkungen hat die zweite Spielstätte auf das „Mutterhaus“ in der Stadt? (u.a. Spielplan, Attraktivität, Zielpublikum, Raumbedarf, Zukunft „Kornhausbühne“, etc)
27. April 2006
