Wie nachhaltig sind Berner Unternehmungen bei der Stromwahl?
Interpellation GB/JA (Natalie Imboden und Urs Frieden)
Gemäss Energie Wasser Bern (EWB) sind vor allem PrivatkundInnen bereit nachhaltige Energieprodukte zu wählen und ihren Beitrag für eine nachhaltige Energiestrategie zu leisten. 3/4 der BernerInnen wählen erneuerbare Stromprodukte (insbesondere die beiden Produkte ewb.Wasser-Kraft (56%) und ewb.berner.Kraft (15%), aber auch mit 7% ewb.Natur.Kraft. Dies ist eine erfreuliche Entwicklung.
Unverständlich ist aber, dass die mittleren und grossen Berner Unternehmungen zu 93% auf den (vordergründig) billigsten Atomstrom setzen und keinen Beitrag zu einer nachhaltigen Energiepolitik leisten wollen. Die Grosskunden wie private Firmen, aber auch Verwaltungen verbrauchen aber den grössten Teil des Stroms. Daher kann die erfreuliche Energiestrategie des Gemeinderats nur dann Früchte tragen, wenn auch die Unternehmungen ihren Beitrag leisten.
Dass es auch anders geht, zeigen Unternehmen in der Stadt Zürich.* Dort setzen vor allem Banken, Versicherungen und andere Dienstleister wie etwa die Swisscom freiwillig auf Ökostrom. Ab Oktober deckt die UBS rund 80 Prozent ihres Bedarfs mit Strom aus Wasser-, Wind- und Sonnenenergie sowie aus Biomasse. Neu gilt der Finanzkonzern als grösster Solarstrombezüger im Land. Atomenergie, die bisher 60 Prozent ausmachte, spielt bei der UBS künftig fast keine Rolle mehr. Auch die Swiss Re fährt den Nuklearanteil am Standort Zürich herunter. Auf Ende 2007 ist sogar der Totalausstieg geplant. Und in den letzten Wochen haben sich weitere bekannte Firmen für mehr Naturpower entschieden, darunter die Zürcher Kantonalbank und Allianz Suisse.
Wir fragen den Gemeinderat daher an:
1. Wie schätzt der Gemeinderat für die Umsetzung der Energiestrategie den Entscheid der Berner Wirtschaft (Fokus auf Atomenergie, kaum Beitrag zu erneuerbaren Energien) ein?
2. Wie verhalten sich die öffentlichen Grosskunden wie Bundesverwaltung, Kantons- und Stadtverwaltung, Spitäler bei der Stromwahl?
3. Mit welchen Massnahmen gedenkt der Gemeinderat Unternehmungen zu motivieren, ihren Beitrag für eine nachhaltige Energiepolitik zu leisten?
4. Wie kann die öffentliche Hand Unternehmen bei der Verbesserung ihrer Energieeffizienz unterstützen?
5. Prüft der Gemeinderat Massnahmen, wie z.B. die Berücksichtigung der Stromwahl als Kriterium (bei Ausschreibung und Zuschlag) bei öffentlichen Aufträgen / Submission?
6. Ist der Gemeinderat bereits, Unternehmungen mit einem nachhaltigen Energiemix einen positiven Anreiz zu gewähren (z.B. Erwähnung auf der Homepage als best practise)?
* „Gegen den Strom“, in: Facts vom 21.09.2006; Seite 54 (Wirtschaft)
