Anteil Fremdsprachiger und Einfluss grosser Klassen auf Schülerleistung
Interpellation Fraktion GB/JA! (Cristina Anliker Mansour)
Viele Schweizer Eltern befürchten, die eigenen Kinder kämen in Klassen mit vielen Fremdsprachigen zu kurz. Es wird auch behauptet, dass in kleinen Klassen Kinder besser gefördert werden können. Die ETH Zürich hat im Auftrag der St. Galler Erziehungsdirektion den Zusammenhang zwischen Klassen und Schülerleistung untersucht. Die Ergebnisse belegen, dass der Anteil fremdsprachiger Schüler sich nicht negativ auf die Leistung deutschsprachiger Kinder auswirkt. Das gilt sogar für Klassen mit einem Fremdsprachigenanteil von mehr als 40% Prozent. Die Leidtragenden in diesen Klassen sind die Fremdsprachigen selber. Sie können nicht von den Sprachkompetenzen ihrer deutschsprachigen KollegInnen profitieren. SchülerInnen lernen auch ausserhalb des Klassenzimmers, und je mehr Fremdsprachige es hat, desto kleiner wird die Integrationswirkung, weil die gleichsprachigen Schüler oftmals unter sich bleiben. Das wirkt sich besonders negativ auf die Sprachkompetenz aus. Die Grösse der Klasse wirkt sich erst ab 25 Schüler negativ aus, auch dann vor allem auf die Leistung fremdsprachiger Kinder. Im Fach Deutsch schneiden sie in Grossklassen bis zu dreimal schlechter ab als ihre deutschsprachigen Kollegen.
Ich bitte den Gemeinderat folgende Fragen zu beantworten:
1. Hat der Gemeinderat Kenntnis von diesem Bericht? Wenn ja, welche Überlegungen macht er sich, um die Erkenntnisse aus dieser Studie in der Stadt umzusetzen?
2. Stimmt es, dass aus den oben erwähnten Gründen Schweizer Eltern Schulen mit einem überdurchschnittlichen Anteil Ausländerkinder in der Stadt Bern meiden? Wenn ja, um welche Schulen handelt es sich dabei?
3. Stimmt es, dass Gesuche von Schweizer Eltern bewilligt werden, die ihre Kinder aus diesen Gründen in eine andere Schule schicken wollen? Wenn ja, um wie viele Gesuche handelt es sich? Und warum werden sie bewilligt?
4. Welche Massnahmen ergreifen die Schulen, um Vorurteile bei den Schweizer Eltern abzubauen? Und welche sind geplant?
5. Sowohl die Studie der ETH Zürich als auch der Präsident des Schweizerischen Lehrerverbandes sind sich einig, dass eine gute Durchmischung ein wichtiger Faktor für den Erfolg der ausländischen SchülerInnen ist. Teilt der Gemeinderat diese Meinung? Wenn nein, warum nicht?
6. Gibt es Schulen in der Stadt Bern, die aktiv eine konsequente Durchmischung fördern? Wenn ja, um welche Schulen handelt es sich und wie wird das gemacht? Wenn nein, warum nicht?
7. Gibt es in der Stadt Bern Klassen mit mehr als 25 Schülern? Wenn ja, um welche Klassen handelt es sich?
