Frauenpräsenz im öffentlichen Raum: Verkehrsschilder und Piktogramme sollen künftig geschlechtergerecht sein
Postulat Natalie Imboden / Christine Michel (Fraktion GB/JA!)
Die Signalisationen und Piktogramme im öffentlichen Raum hinken der Realität hinten nach: Die Mehrheit der BewohnerInnen in der Stadt Bern sind Frauen, aber im öffentlichen Raum dominieren auf Verkehrsschildern und Piktogrammen Männer. Bei der Ampel an der Kreuzung signalisieren „Männlein“ rot oder grün. Auf den Verkehrszeichen ist stellvertretend für eine Person meist ein Mann abgebildet. Dass es auch anders geht, zeigen verschiedene Städte. So hat am 16. Januar 2007 in der Stadt Wien ein „Schildertausch“ begonnen und der erste Autobus der Wiener Linien wurde mit neuen Piktogrammen versehen. Während die alten Piktogramme einen alten Mann, einen sehbehinderten Mann, eine schwangere Frau und eine Frau mit Kind zeigen, sind auf den neuen runden Aufklebern nun eine schwangere Frau, ein Mann mit Kind, ein blinder Mann und eine alte Frau zu sehen. Statt überholte Geschlechter-Stereotypen zu reproduzieren, werden Frauen und Männer in verschiedenen Lebenslagen abgebildet.
Teil der Wiener-Kampagne ist auch ein Gewinnspiel: Bürgerinnen und Bürger werden aufgerufen, im öffentlichen Raum Beispiele von Schildern zu suchen, die nicht geschlechtergerecht sind und sie mittels Handy oder Digitalkamera festzuhalten.
Informationen zur Kampagne: http://www.wien.gv.at/nachrichten/tausch.html
Auch in der spanischen Stadt Fuenlabrada gibt es neu Verkehrsschilder mit weiblichen Personen, z.B. Fussgängerinnen. Mit der Zeit sollen auch auf der Hälfte der Ampeln weibliche Figuren leuchten, auch wenn momentan bei der internationalen Konvention über Verkehrsschilder weibliche Figuren (noch) nicht vorgesehen sind. (Quelle: FrauenSicht, Februar 2007/Nr. 1/07)
Bilder prägen unsere Vorstellung von der Welt, daher soll die öffentliche Bildsprache auch geschlechtergerecht sein. Darstellungen von Frauen und Männern, die starre Sehgewohnheiten aufbrechen, können wichtige Sensibilisierungsarbeit leisten für Gleichstellungsanliegen. Die Stadt Bern kann hier neue Wege gehen, auch wenn angesichts der Finanzlage kostengünstige Varianten zu suchen sind.
Daher bitten wir den Gemeinderat folgende Anliegen zu prüfen:
- Bei den direkt städtisch beeinflussbaren Signalisationen und Piktogrammen im öffentlichen Raum sind künftig sowohl männliche wie weibliche Personen abzubilden und Geschlechterstereotypen aufzubrechen.
- Auf Verkehrssignalisationen und –schildern auf städtischen Strassen sind sowohl männliche wie weibliche Personen abzubilden, bzw. die Stadt soll sich bei den verantwortlichen Stellen dafür einzusetzen.
- Eine Sensibilisierungskampagne durchzuführen, indem z.B. wie in der Wiener Kampagne Bürgerinnen und Bürger aufgerufen werden, auf spielerische Art Beispiele aus dem öffentlichen Raum, die nicht geschlechtergerecht sind, ausfindig zu machen und festzuhalten.
