Grünes Bündnis Stadt Bern

Thu 14.02.2008

Mehr Transparenz beim Anmeldeverfahren für Kindertagesstätten

Postulat Fraktion GB/JA! (Karin Gasser und Cristina Anliker, GB)

Das Anmeldeverfahren für die Kindertagesstätten der Stadt Bern weckt viel Unmut bei den betroffenen Eltern: Warum haben die Nachbarn schneller einen subventionierten Kitaplatz gekriegt, obwohl ihr Kind weniger lange auf der Warteliste stand? Warum soll man mehrmals in der Wunschkita anrufen, um sein Interesse zu betonen, wenn es doch eigentlich eine Warteliste gibt? Nach welchen Kriterien rückt ein Kind auf dieser Warteliste überhaupt vor? Warum kann nur eine Kita erster Priorität angegeben werden, wo es doch im eigenen Quartier mehrere Kitas gäbe und eigentlich alle in Frage kämen? Das Anmeldeverfahren für die Kitas in der Stadt Bern ist unbefriedigend und lässt viele Eltern lange Zeit im Ungewissen darüber, ob und wann und wo sie einen Platz für ihr Kind erhalten. Die Warteliste, die dezentral von den einzelnen Kitas verwaltet und nur einmal im Jahr zusammengeführt wird, sowie die Vergabe der Plätze sind intransparent. Das Anmeldeverfahren, das in der Regel ein direktes „Vorsprechen“ in den Wunschkitas erfordert, ist umständlich. 

Andere Städte führen die Vermittlung der Plätze zentral durch. In Basel gibt es eine zentrale Vermittlungsstelle, welche die vom Kanton mitfinanzierten Plätze vermittelt. Eltern  müssen mit dieser Vermittlungsstelle in Kontakt treten, sie können ihr Kind nicht direkt im Tagesheim anmelden, wenn sie einen subventionierten Platz beanspruchen möchten. Massgeblich sind folgende Indikationen, welche von der Vermittlungsstelle überprüft werden: Erwerbstätigkeit, Ausbildung oder Arbeitssuche der Eltern, Sprachförderung (ab 3 Jahre), soziale / heilpädagogische Indikation. Auch Köniz hat eine zentrale Vermittlungsstelle für alle Kitaplätze. Die Stadt Lausanne führt eine zentrale Warteliste, in welcher die Eltern ihre Kinder schriftlich eintragen können. Alle vier Monate muss der Eintrag erneuert werden, falls das Interesse immer noch besteht. Hat eine Kita im entsprechenden Quartier einen Platz frei, kontaktiert sie die in Frage kommenden Eltern.

Eine zentrale Vermittlungsstelle könnte ein faireres Verfahren garantieren: Die Eltern könnten weiterhin angeben, welche Kitas für sie in Frage kommen. Sobald in einer Kita ein Platz frei wird, wird dies der Vermittlungsstelle gemeldet. Die zentrale Stelle würde der Kita das nächste in Frage kommende Kind zuweisen. Diese Zuweisung müsste auf transparenten Kriterien basieren und unabhängig davon sein, wie sehr sich die Eltern dafür eingesetzt haben, raschmöglichst einen Platz zu erhalten – die Bedeutung persönlicher Kontakte und sozialer Netzwerke würde abnehmen, was die Chancengleichheit für alle erhöhen würde. Die Vermittlungsstelle würde mit ihrer Arbeit die Kita-LeiterInnen entlasten und die Eltern bei der Suche nach einem Betreuungsplatz kompetent beraten und informieren. Eine zentrale Vermittlungsstelle könnte den Zugang zu den Tagesstätten für Eltern aus allen sozialen Milieus erleichtern.

Wir bitten den Gemeinderat,

1. eine zentrale Vermittlungsstelle für die Tagesstätten (für Kleinkinder und Schulkinder) in der Stadt Bern zu prüfen.
2. klare und transparente Kriterien für die Vergabe der Plätze auszuarbeiten. Die Kriterien sollen sowohl die Situation der Eltern (z.B. Erwerbstätigkeit, alleinerziehende Mütter oder Väter) als auch die Situation der Kinder (soziale Indikation, Sprachförderung, Frühförderung etc.) berücksichtigen.

 

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