Grünes Bündnis Stadt Bern

Thu 27.11.2008

„Selektion in den Schulen funktioniert nicht“: Das wegweisende, durchlässige Schulmodell 4 – das so genannte Twanner Modell – muss weitergeführt werden

Dringliche Interpellation Fraktion GB/JA! (Christine Michel, GB)

Der Entscheid über die Verteilung der OberstufenschülerInnen im Nordquartier wird von der zuständigen Schulkommission bis Ende Jahr gefällt. Davon betroffen ist auch die Lorraineschule, die als einzige Schule in der Stadt Bern nach dem integrativen Twanner Modell geführt wird. Das bedeutet durchlässige Strukturen, die ohne definitive Selektionsentscheide auskommen und damit Chancengleichheit gewährleisten.

In der Zeitung «Der Bund» vom 25. Oktober 2008 wurde eine von der Erziehungsdirektion erstellte Gemeindekarte publiziert, welche zeigt, dass die Übertrittsquoten in die Sek in den bernischen Gemeinden sehr unterschiedlich sind. Dies lässt den Schluss zu, dass die Selektionskriterien willkürlich und diskriminierend sind. Die Gemeindekarte wurde in Zusammenhang mit einer Anfrage aus dem Grossrat erstellt (Eva Baltensberger). Damit wurde veranschaulicht, was Bildungsforschende (inbesondere die Freiburger Bildungsforscher Winfried Kronig, Michael Eckhart, Christian Imdorf, Urs Häberlin) schon länger nachgewiesen haben: Die Zuteilung zum Sekundar- oder Realniveau entspricht oft nicht den Leistungen eines Kindes, sondern wird durch andere Kriterien mitbestimmt wie soziale Herkunft, Geschlecht, organisatorische Gegebenheiten.

In diesem Zusammenhang fragen wir den Gemeinderat:

1. Welche Schlussfolgerungen zieht der Gemeinderat für die Stadt Bern aus der Antwort der Erziehungsdirektion auf die Anfrage Baltensberger?

2. Führt der Bericht dazu, dass die Selektion für die Sekundarstufe grundsätzlich überdacht wird?

3. Welchen Einfluss hat der Bericht auf die bevorstehende Entscheidung im Nordquartier (Beibehaltung oder Aufgabe des so genannten Twanner Modells)?

4. Kann sich der Gemeinderat vorstellen, Schulen, die das Twanner Modell anwenden, verstärkt zu unterstützen und damit gewährleisten, dass das dort vorhandene Knowhow in die anstehenden Reformprozesse (insbesondere Umsetzung des Art. 17 im Volksschulgesetz) eingespiesen wird?

5. Dass in Bern alle vier Oberstufenmodelle angeboten werden, insbesondere das integrative Modell 4, entspricht einem klaren politischen Willen. Gleichzeitig sind die Schulkommissionen für die Modellwahl zuständig. Prüft der Gemeinderat, wie er hier eine aktivere Rolle zur Förderung dieses integrativen Modells, z.B. durch gezielte Anreize und durch zur Verfügung stellen der notwendigen Ressourcen, übernehmen kann?

Begründung der Dringlichkeit: Der Entscheid für das Weiterbestehen des Twanner Modells in der Oberstufe Lorraine fällt bis Ende Jahr. Das Twanner Modell wird nur noch in der Lorraine angewendet. Wertvolle Erfahrungen würden bei einem negativen Entscheid verloren gehen.

Bern, 27. November 2008

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