Aktiv für Sexarbeiterinnen: Konzentration in Dienstleistungszonen
Interpellation Fraktion SP/JUSO (Miriam Schwarz), GB/JA (Cristina Anliker-Mansour)
Wie „Der Bund“ am 18.12.2008 berichtet, werden die beiden Bordelle inmitten der Wohnzone am Lagerweg 12 und der Lorrainestrasse 60 geschlossen. Dies macht absolut Sinn, weil Nutzungen dieser Art nächtlichen Mehrverkehr, Klagen wegen Geschrei und anderen Immissionen sowie eine Wertminderung der angrenzenden Liegenschaften verursachen. Etablissements des Sexgewerbes gehören nach städtischem Baureglement eindeutig in die Dienstleistungszone.
Allerdings verlieren mit dieser Schliessung ca. 100 Sexarbeiterinnen ihren Arbeitsplatz. Sie verschwinden irgendwohin, wo ihre Betreuung, Beratung und Begleitung der Frauen kaum mehr gewährleistet ist. Deswegen müsste die Stadt auch ein Interesse haben, dass in den Dienstleistungszonen Berns genügend Arbeitsplätze für das Sexgewerbe bestehen. So ist dieses Gewerbe sichtbar, stört dort am wenigsten und ermöglicht die best mögliche Beratung und Betreuung durch Organisationen wie Xenia.
Wir bitten daher den Gemeinderat um die Beantwortung der folgenden Fragen:
1. Könnte die Stadt Bern ev. Liegenschaften in der Dienstleistungszone den vertriebenen Sexarbeiterinnen zur Verfügung stellen?
2. Ist sich die Stadtverwaltung bewusst, dass es von Vorteil ist, wenn Etablissements des Sexgewerbes in Dienstleistungszonen konzentriert werden, statt die Sexarbeiterinnen ungeschützt und ohne Unterstützung (privat, versteckt und/oder illegal) überall auf dem Stadtgebiet zu verstreuen?
3. Wurde die Beratungsstelle Xenia vor der Schliessung kontaktiert und mit ihr diese Fragen diskutiert?
4. Nach welchen konzeptionellen und rechtlichen usw. Überlegungen wird Prostitution in der Stadt Bern zugelassen oder geduldet? Gibt es seitens der Stadtverwaltung Aktivitäten, um Dienstleistungen des Sexgewerbes möglichst so anzusiedeln und zu gestalten, dass die Interessen der unterschiedlichen Bevölkerungs- und Nutzungsgruppen möglichst gut in Übereinklang gebracht werden können?
