Ist ein Tram ohne Fahrleitung in der Amtshausgasse oder Bundesgasse möglich?
Interpellation Fraktion GB/JA! (Stéphanie Penher, GB / Aline Trede, GB)
Nach der Realisierung des Projektes Tram Bern West steht der nächste Tram-Ausbauschritt bevor. Gemäss Prüfbericht des Bundes vom 12. Dezember 2008 zum Agglomerationsprogramm Bern wird im Parlament beantragt, die Umstellung der Buslinie 10 von Köniz/Schliern bis Ostermundigen/Rüti auf Trambetrieb zu unterstützen. Das Vorhaben figuriert auf der „A-Liste“. Die Bau- und Finanzreife sollte in den nächsten 4 Jahren erreicht werden. Im Rahmenkredit der Investitionsbeiträge 2010 – 2013 für den öffentlichen Verkehr im Kanton Bern sind entsprechende Planungs- und Projektierungskredite vorgesehen.
Neben unbestreitbaren Vorteilen ergibt die neue Tramlinie auch neue Probleme: Die Belastung des zentralen System-Abschnittes zwischen Hirschengraben und Zytglogge steigt weiter an. Das beeinträchtigt die anderen Nutzer des Stadtzentrums und macht den Trambetrieb störungsanfällig, da alle Linien durch dieselbe Gasse führen. In der Antwort auf ein Postulat von Mario Imhof (FDP) nennt der Gemeinderat folgende öV-Zahlen: „Pro Stunde und Richtung verkehren […] tagsüber rund 40 Kurse, in der Morgenspitzenstunde rund 48 Kurse, […]. Mit der Einführung von Tram Bern West wird die Belastung tagsüber um zirka 6 Kurse pro Stunde und Richtung zunehmen.“ Das ergibt ab Einführung des Trams Bern West eine maximale Belastung in der Morgenspitze von 108 Trams pro Stunde (48+6 pro Richtung), d.h. alle 30 Sekunden fährt ein Tram durch die Marktgasse. Diese Belastung wird mit dem Tram 10 weiter steigen.
Im Gegensatz zu den „polyzentrischen“ Tramnetzen in Basel oder Zürich verfügt das Tramnetz Bern über einen zentralen Knoten, den Bahnhofplatz. Alle Linien führen über eine gemeinsame Achse auf diesen Knoten zu. Damit sind bei einer Störung auf diesem zentralen Abschnitt alle Linien betroffen. Es bestehen keine Alternativrouten. Im Hinblick auf diese weitere Verdichtung des Tramverkehrs in der Innenstadt muss dringend geprüft werden, welche Vor- und Nachteile ergänzende Linienführungen zwischen Zytglogge und Hirschengraben aufweisen. Die grundsätzliche Machbarkeit für die Innenstadt wurde durch eine Studie der RVK 4 im Jahr 2004 nachgewiesen.
Die VCS Regionalgruppe Bern schlägt in einer Medienmitteilung vor, den Einsatz neuer Trams, die Strom auch aus einer Batterie beziehen können, zu prüfen. So wäre eine Tramführung über mehrere hundert Meter ohne Fahrleitungen und damit ohne Störung des Stadtbildes möglich.
Wir beauftragen den Gemeinderat daher mit der Beantwortung folgender Fragen:
1. Welche Taktdichte (Tram-Frequenz) ertragen die Markt- und Spitalgasse?
2. Hat der Gemeinderat bei seinen bisherigen Überlegungen zu einer alternativen Linienführung für die Trams zwischen Hirschengraben und Zytglogge den Einsatz von Fahrzeugen, die auf kürzeren Strecken keine Fahrleitung benötigen, berücksichtigt?
3. Wie sähe aus Sicht des Gemeinderates die optimale Führung einer zweiten Tramachse aus?
4. Ist der Gemeinderat bereit, in Zusammenarbeit mit Bernmobil und dem Kanton eine Studie in Auftrag zu geben, die Vor- und Nachteile verschiedener Tram-Varianten im Bereich zwischen Hirschengraben und Zytglogge aufzeigt?
5. Wann und durch wen erfolgen Beschaffungsentscheide für die Trams, die auf der Linie 10 eingesetzt werden sollen?
6. Ist der Gemeinderat bereit, sich dafür einzusetzen, dass im Rahmen dieser Beschaffung auch Fahrzeuge mit alternativen Antriebsmöglichkeiten einbezogen werden?
