Interpellation Fraktion GB/JA!: Stadt der kurzen Wege, Stand der Dinge

Die Grundversorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs der Bevölkerung hat während der Corona-Zeit an Bedeutung gewonnen. Die Grundversorgung umfasst die Versorgung mit den Konsumgütern und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs, mit Lebensmitteln, mit Frischprodukten sowie Poststellen, Gaststätten (Quartierbeizen) usw. Die Grundversorgung ist erst sichergestellt, wenn sie auch für die nicht motorisierte Bevölkerung erreichbar ist und wenn bewegungsbeeinträchtigte Personen täglich beliefert werden können. Im täglichen Leben trägt eine gute Grundversorgung zu lebendigen Quartierzentren bei und leistet so einen wichtigen Beitrag an die hohe Lebensqualität. Neue oder optimierte Lösungen für die effiziente, stadtverträgliche Abwicklung des Gewerbe- und Güterverkehrs sind auch insbesondere im Hinblick auf die Verdichtung der Stadt wichtig.

Die räumlich kurzen Distanzen zwischen Wohnen, Nahversorgung und Naherholungsgebieten haben uns während der Corona-Zeit gezeigt, wie wichtig die Grundversorgung ist und welche Bedeutung das Konzept „Stadt der kurzen Wege“ hat. Die Wohnraumverdichtung sowie die Multifunktionalität von Stadtquartieren sind in diesen Zeiten wesentliche Bestandteile der Widerstandsfähigkeit der Stadt gegenüber Krisen geworden.

Im Stadtentwicklungskonzept (STEK) Kapitel 3 werden Ziele und Handlungsfelder definiert. Bern soll sich als Stadt der kurzen und sicheren Wege entwickeln. Es ist vorgesehen, dass sich die Bewohnerinnen und Bewohner in ihrem Quartier und in ihrer Stadt ohne Auto mit den Gütern des täglichen Bedarfs versorgen können. In Kapitel 6 «Bern lebt in Quartieren» ist festgehalten, dass die Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs innerhalb der Quartiere heute lückenhaft ist. Es braucht daher sowohl direkte Massnahmen zur Neuansiedlung von Dienstleistungen des täglichen Bedarfs, als auch Vorschläge zur Angliederung von Einkaufsmöglichkeit an bestehende Einrichtungen.

Die Unterzeichnenden bitten den Gemeinderat um die Beantwortung folgender Fragen:

  1. Welche konkreten Massnahmen wurden bisher für die Grundversorgung getroffen? Was hat die Stadt bisher in diesem Sinne unternommen?
  2. Gibt es für alle bewohnten Sieglungsgebiete ein Grundversorgungskonzept, das die Erreichung der relevanten Einrichtungen innerhalb einer bestimmten Zeit ohne öffentlichen und oder private Verkehrsmittel garantiert? Wie sieht dieses Konzept aus?

Bern, 23. April 2020

Erstunterzeichnende: Devrim Abbasoglu-Akturan
Mitunterzeichnende: Lea Bill, Regula Bühlmann, Seraina Patzen, Sarah Rubin, Eva Krattiger, Franziska Grossenbacher, Seraphine Iseli, Katharina Gallizzi, Rahel Ruch, Ursina Anderegg