Kleine Anfrage Fraktion GB/JA!: Corona-Elternurlaub – bekannt und bezogen?

Die Corona-Krise bedeutet für viele Eltern eine Betreuungskrise: Grosseltern fallen weg, Schulen sind geschlossen und der Kleingruppenbetrieb in Kitas bedingt, dass ein Teil der Eltern ihre Kinder zuhause betreuen. Auch im Home Office verträgt sich Kinderbetreuung schlecht mit Erwerbsarbeit. Damit Eltern für die Betreuung ihrer Kinder nicht Ferien beziehen oder ins Minus fallen müssen, hat der Bundesrat in der Covid-Verordnung einen Corona-Elternurlaub anlehnend an die Erwerbsersatzordnung (EO) verankert: Eltern, die aufgrund der Corona-Massnahmen ihre Kinder zu Hause betreuen müssen, haben Anrecht auf ein Taggeld für die Zeit, in der sie auf Erwerbsarbeit verzichten müssen. Leider ist diese Möglichkeit noch zu wenig bekannt. Es kursieren Fehlinformationen wie zum Beispiel, dass Arbeitnehmende im Home Office kein Anrecht auf Taggelder haben, auch wenn sie wegen der Kinderbetreuung weniger arbeiten können und entsprechend auf Einkommen verzichten müssen. Uns sind auch Fälle bekannt, in denen ArbeitgeberInnen ihre Angestellte nicht auf den Corona-Elternurlaub aufmerksam gemacht haben, sondern von ihnen verlangen, dass sie Überzeit abbauen oder Urlaubstage beziehen für die Kinderbetreuung.

Wir gehen davon aus, dass Bern als Arbeitgeberin dies besser handhabt, und bitten den Gemeinderat um die Beantwortung folgender Fragen:

  1. Gibt es in Bern Fälle, in denen städtischen Mitarbeitenden nahegelegt wird, für die Kinderbetreuung Ferien zu beziehen oder GLAZ abzubauen?
  2. Macht Bern die städtischen Angestellten (auch diejenigen im Home Office) aktiv auf die Möglichkeit des Corona-Elternurlaubs aufmerksam? Wenn ja, in welcher Form und über welche Kanäle? Wenn nein, weshalb nicht?
  3. Wie viele städtische Mitarbeitenden müssen aufgrund der Corona-Massnahmen für die Kinderbetreuung ihre Arbeitszeit reduzieren? Wie viele von ihnen haben Taggelder auf Basis der Covid-Verordnung beantragt? Wie sind diese Zahlen nach Geschlecht aufgeschlüsselt?

Bern, 23. April 2020

Erstunterzeichnende: Regula Bühlmann
Mitunterzeichnende: Lea Bill, Seraina Patzen, Sarah Rubin, Eva Krattiger, Franziska Grossenbacher, Devrim Abbasoglu-Akturan, Seraphine Iseli, Katharina Gallizzi, Rahel Ruch, Ursina Anderegg